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Alles was zählt ist der Augenblick, in dem du Teil von etwas besonderem bist

Meine Dozentin sagte mir einmal... ´nichts gehört, nichts gesehen, nichts gesagt´. Dass ich dieses Sinnbild der 3 Affen lebe. Die Augen vor dem verschliesse was wichtig ist, was mich betrifft. Die Prioritäten falsch setze, zuviel erwarte von den anderen, und selbst

zu wenig bereit bin zu geben. So vieles gibt es, das mir schwer fällt und das mich belastet. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem es so nicht weitergeht. Vielleicht hilft es ja, all dies aufzuschreiben...

Beginnen möchte ich mit meinem derzeitigen Alltag. Es ist jeden Morgen das gleiche... Der Wecker klingelt, ich schalte ihn aus... um 5.30Uhr, um 6.00Uhr, und um 6.30Uhr, wenn der Wecker zum 3. Mal klingelt, stehe ich auf. Müde bin ich jedes Mal, weil ich viel zu spät ins Bett gehe. Zwischen 24Uhr und 3Uhr morgens. Der Weg zur Uni, in der Strassenbahn höre ich Musik. Nickelback („Saving me“, „far away“. Böhse Onkelz (“Koma”, “ich mache was ich will”, “Erinnerungen”. Diese Lieder begleiten mich auf dem Weg zur Uni. Seid neuestem noch ein Lied von Laith al Deen („ich habs dir nie gesagt“. Sie drücken vieles für mich aus, ich flüchte dann in Tagträume. In der Uni angekommen... betrete ich den Kursraum. Bin eine der ersten, meist sind erst 7-8 andere da. Ich grüsse, doch grüsst nicht jeder zurück. B. in der letzten Reihe lächelt, sie ist meine Sitznachbarin. Ich stelle die Tasche an meinem Platz auf den Tisch und beginne auszuräumen. Einen Bleistift, Füller, Kugelschreiber, einen Collegeblock, und meinen Malblock. Die Skripte für die Vorlesungen habe ich selten dabei, niemals den ganzen Ordner für den jeweiligen Tag. Einen richtigen... Ordner für die Uni habe ich schon lange nicht mehr. Die ganzen Skripte und Arbeitsblätter stapeln sich in meinem Zimmer und in Kartons und auf dem Schreibtisch.

Ich setze mich und packe nun auch mein Trinken aus. Die Tasche stelle ich neben mir auf den Boden. Manchmal rede ich mit B. und M., die links von mir sitzt, ab und zu auch mit I. die neben M. sitzt. Warte darauf das die Vorlesung beginnt. Vorbereitet bin ich nicht, weiss nur so ungefähr welche Vorlesungen heute stattfinden.

Wenn der jeweilige Dozent das Zimmer betritt, beginnt die Vorlesung. Manchmal bin ich konzentriert, manchmal male ich auch nebenher auf dem Malblock. Schwarze Tinte auf gelben Papier. Blumen, abstrakte Muster, einen Blumenstrauss, die 3-D Zeichnung von einem Bauerhof. Immerwieder schaue ich hoch, teils um zu kontrollieren ob jemand bemerkt das ich male, teils auch um der Vorlesung besser folgen zu können wenn gerade eine Folie aufgelegt wird. Die Zeit bist zur 1. Pause zieht sich manchmal, jenachdem welches Themengebiet gerade dran ist. In der Pause gehe ich meist mit B. in den nahe gelegenen Einkaufsladen, hole mir dort 2 Fläschchen kalten Latte Macchiato, manchmal etwas süsses, und noch eine Flasche Wasser. Wie üblich dann anstehen, weil die Schlange so lang ist. B. ist dann meist noch gar nicht in der Schlange, sondern sucht sich immer noch die Sachen zusammen. Meist zahle ich mit Karte, weil ich mal wieder vergessen habe zum Automaten zu gehen. Ich packe die Einkäufe zusammen und warte am schwarzen Brett auf B. und wir laufen gemeinsam zurück.

Die Vorlesung geht weiter, ich bin mehr oder weniger aufmerksam. So geht dies bis zum Ende der Vorlesung, und ich packe meine Sachen zusammen. Es ist ein allgemeiner Tumult, weil viele auf den Zug müssen und nur wenig Zeit haben. Ich habe dann meist schon den MP3 Player in der Hand, gehe zusammen mit den Anderen Richtung Ausgang. Manchmal reden B. und ich noch an der Bushaltestelle, über alles mögliche. Dann kommt meine Strassenbahn, ich verabschiede mich von B. und steige ein. Die Fahrt dauert unterschiedlich lang, meistens etwa 20 Minuten. Zuhause stelle ich die Tasche auf den Boden oder die Couch, und ziehe mir bequemere Kleidung an (Top und Jogginghose), setze mich auf die Couch und mache das Laptop an. Das Handy lege ich auf die lehne der Couch, damit ich auch gleich merke wenn mich jemand anruft oder eine SMS schreibt. Ist das Laptop an, gehe ich meist duschen. Das geht recht schnell, ich brauche nie länger als 10 Minuten. Eigentlich hätte ich ja jetzt Zeit die Skripte zu sortieren oder auf bevorstehende Klausuren zu lernen, doch das tue ich nie. Mir fehlt die Motivation und die Lust dazu. Ich nehme mir nach einer schlecht gelaufenen Klausur so oft vor, bei der nächsten frühzeitig zu lernen, doch schiebe ich es immer wieder auf.

Gegen Abend telefoniere ich meist mit P. Wir reden nicht immer viel, weil wir einfach nicht wissen was wir uns sagen sollen, so viel erlebt haben wir ja beide an dem Tag noch nicht. Gegen 18Uhr schalte ich den TV an, um mir Simpsons anzusehen. Manche Folgen kenne ich schon, dann zappe ich ein bischen herum, oder mache den TV wieder aus. Sitze da, höre die Musik, und bin im Internet. Ich chatte recht selten, weiss nicht was ich den anderen im Chat gross sagen soll. Ausser, N. ist online. Meine beste Freundin, mit der ich über so vieles reden kann. Ich kenne sie seid nun etwa 14 Jahren, und wir sind immer noch die besten Freunde. Bie ihr fällt mir so vieles ein was ich ihr erzählen soll, und ihr geht es wohl selten anders. Meist geht es über Schule, Männer, oder ihr baldiges Auslandjahr in Australien. Sie freut sich sehr darauf, und ich mich für sie auch, sie wünscht sich das schon sehr lange. Auch wenn ich jetzt schon genau weiss, das sie mir fehlen wird. Sie ist mein Ruhepol gewissermaßen, ist einfach da, ohne das man sie dazu auffordert. Auch merkt sie immer, wenn etwas nicht stimmt. Ich spreche mit ihr auch sehr viel über P. weil ich oft nicht weiss was ich tun soll.

Meist findet gegen Nacht noch ein 2. Telefonat mit P. statt. Gut, eigentlich immer. Die Gespräche nun sind irgendwie ernster, und ich mag sie mehr als die am Nachmittag. Ich kann nicht genau erklären warum, es fühlt sich einfach... so schön an wenn wir spät nachts noch telefonieren. Auch wenn ich weiss das es nicht gut ist, schliesslich muss ich wieder früh aufstehen. Vor dem Einschlafen höre ich meist noch Musik.

Mein Verhältnis zu den Anderen aus meinem Kurs ist schwer zu beschreiben. Manchmal kommt es mir so vor als wäre ich ein Aussenseiter, dann ist es wieder so, als wären wir die besten Freunde. Ich fahre auch in letzter Zeit oft mit M., I., T., S., D., und K. mit im Zug, weil ich zu meiner neuen Wohnung nach LU fahren möchte. Ich merke, das wenn ich mit einer ganz bestimmten Gruppe Zeit verbringe wie eben diese Zugfahrt, diese sich mir gegenüber dann auch ganz anders verhalten. Ebenso ist es, wenn wir in der Uni in Kleingruppen arbeiten. Da ist immer alles okay, ich fühle mich voll akzeptiert.

Auf die neue Wohnung in LU freue ich mich sehr. Der Vertrag ist unterschrieben, ich habe bereits die Schlüssel, und dieses WE ziehe ich dann endlich um. Meine Mutter und mein Bruder kommen extra aus FR. her um mir beim Umzug zu helfen. Oft ertappe ich mich dabei, wie ich denke.... das wenn ich in der neuen Wohnung endlich wohne, dann alles anders machen will. Endlich die ganzen Skripte sortieren, meinen Tag richtig planen.

Doch nun möchte ich auf das zurückkommen, was mir meine Dozentin sagte....

Ich habe (halbherzig) beschlossen, mit ihr und meiner 2. Dozentin zu sprechen. Ich weiss nicht wie sie reagieren werden, denn ich möchte ganz ehrlich sein. Ich sehe in diesem Studium, in dieser Ausbildung immer weniger Sinn. Es gibt so viele Tiefschläge, seien es missglückte Referate, schlechte Klausurnoten, oder eben diverse Sprüche einzelner Kursteilnehmer. Es wird für mich immer mehr ein Kampf, einen Sinn in dem zu sehen was ich tue. Ich habe kein Leitbild, kein Ziel auf das ich hinarbeiten kann. Ich weiss nicht was meine Zukunft sein wird, weiss nicht, ob ich gut in dem Beruf werde den ich gewählt habe. Ständig stosse ich gegen meine eigenen Grenzen, und ich bin an einem Punkt wo ich denke, das ich einfach alles falsch mache. In diesen Momenten wünsche ich mir, das jemand da wäre der mich in den Arm nimmt, und mir einen Rat gibt. Einen wirklichen Rat, von jemandem, der meine Zukunft kennt. Ich möchte Gewissheit haben, das dass, was ich tue richtig ist, einen Sinn ergibt und nicht nur vergebene Lebenszeit ist.

Was ich von meinem Leben erwarte? Was ich mir Wünsche, dass in meiner Zukunft Realität wird?

-Einen Mann, der mich halten kann wenn ich wieder drohe zu fallen, der für mich da ist ohne mich zu kontrollieren, einzuengen und auszunutzen.

-2 Kinder, am liebsten einen Jungen und ein Mädchen – auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich es schaffen würde, sie zu erziehen (zu viele Theorien der Pädagogik die ich im Kopf habe hierzu, zu viele Faktoren die Aufzeigen, welche Fehler passieren wenn man dieses und jenes falsch macht)

-Eine gute Arbeitsstelle, in der ich gerne arbeite, und auch gespiegelt bekomme das ich es gut mache. Doch möchte ich nicht alleine meine Familie versorgen, ich bin nicht so ein Arbeitstier das 12-14 Stunden am Tag arbeitet, und dann heimkommt, wenn die Kinder schon schlafen. Dies will ich niemals.... ich möchte nicht, das meine Kinder ohne ihre Mutter aufwachsen. Aus diesem Grund sollte auch mein Mann arbeiten. Nicht Vollzeit, das muss er nicht, er soll sich ja auch um die Kinder kümmern. Nur, wenigstens etwas, vielleicht 4-6 Stunden am Tag, so das ich weiss das nicht all das finanzielle an mir hängen bleibt.

-Dasein für meine Eltern wenn es ihnen schlechter geht, sie unterstützen können, und ihnen vor allem in finanzieller Hinsicht all das an Geld zurückzahlen, was sie mir bis jetzt gegeben haben (Fahrtgeld, Benzingeld, Miete, Handy, Auto, usw.) Das wird einige Hundert, wenn nicht sogar Tausend Euro teuer werden, doch bin ich nicht der Typ, der nur nimmt und nicht gibt.


Diesen Satz meiner Dozentin nehme ich sehr ernst. Ich möchte nicht nur nehmen, nur verlangen, niemals. Wenn ich es tue, fällt es mir nicht auf und tut mir so leid sobald man mich darauf hinweisst. Ich möchte stolz auf mich sein, und auch von anderen spüren das sie stolz auf mich sind. Es ist nicht wichtig das man mir dies sagt, man sollte es mich spüren lassen. Ein Lächeln reicht in diesem Punkt meist schon.

Sehr viel habe ich geschrieben, doch ist es längst nicht alles. Doch wird dies reichen im Moment, ich fühle mich befreit und viel freier.

Danke.

27.6.07 17:30, kommentieren

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